bock_jos_0202
yahoo-rot
amazon03
Google_left02

19/03/13 

Die Geschichte

Die Rede ist hier von der ältesten Schafrasse des deutschsprachigen Raumes:

Ostpreußischen Skudden Sie wurden nämlich – trotz der Vertreibung der Menschen aus ihrer Heimat in Ostpreußen und Pommern – gerettet. Seit mindestens 4.000 Jahren sind sie als Anpassungsform nachweisbar.

Die Frage nach den Gesichtern der Schafe offenbart eine leider zunehmende Entfremdung vieler Menschen anstelle natürlicher Hinwendung zum Mitgeschöpf. Wer nämlich unsere älteste Haustiergattung, das Schaf, nur noch als Produzenten von Fleisch und Wolle sieht, missachtet sein Gegenüber.

Die Einstellung zum Mitgeschöpf ist das Ergebnis einer über viele Generationen hinweg gewachsenen kulturellen Reife mit weitreichenden Folgen. In unserem Kulturkreis noch einsichtig geprägt, sehen einige andere Kulturen in wirtschaftlichen Zusammenhängen Haustiere eher als Nutzvieh und Pflanzen betont als Ware. Bei schneller Zuordnung des Nutzens unserer alten Landschafrassen heißt es leicht: andere Rassen sind größer, liefern mehr Fleisch und Wolle ist heutzutage immer häufiger nur noch Dämmstoff oder gar nur Abfall. In Wirklichkeit sind gerade die kleinen vitalen Landschafrassen dauerhafter und durch ihre ganz einmaligen Vliese bei ganzjähriger Haltung im Freien unübertroffen. Bei werterhaltender Nutzung ihrer Wolle bewahren sie uns kleidungsbedürftige Menschen vor den Gefahren der Kunstfasern und sogar - wie wissenschaftliche Untersuchungen bewiesen - auch vor gefährlichen Schadstoffen. Gleichzeitig liefern diese Rassen besonders wertvolles, schmackhaftes Fleisch.

Die eigentliche Begegnung und ein erster Schritt zur Beantwortung der Frage nach den Gesichtern der Schafe beginnt mit der persönlichen Wahrnehmung. Wie Menschen haben auch Tiere individuelle Gesichter. Zu erkennen sind sie erst, wenn wir dem Gegenüber artentsprechend ermöglichen, sein Verhältnis, seine Beziehung allmählich zu uns aufzubauen. Es ist nicht damit getan, das wir ein Tier erwerben oder es besuchen, sondern es ist erforderlich, daß es selber sich uns gegenüber erkennen läßt, also Vertrauen entwickelt.

Schätze ohne „Veredelung“ sind unsere Skudden geblieben, weil die sie einst umgebenden und betreuenden Menschen Ostdeutschlands ein ganz natürliches Eigenverhältnis zur Schöpfung seit jeher bewahrten. Sie tolerierten nicht nur die Eigenheiten, sie wollten und achteten sie vielmehr. Und heute stellen wir fest, daß Einkreuzungen fremder Schafrassen daher weitgehend bei ihnen unterblieben.

Die Wollfasern der Skudden sind die feinsten der Welt und der naturpflegende Weidevorgang sichert vielen Geschöpfen Lebensgrundlagen:
Das kleinste Säugetier nördlich der Alpen ist die Haselmaus. Sie baut ein höchst kunstvolles Kugelnest auch in Bodennähe als Kinderstube. Schafe der so genannten Wirtschaftsrassen , die durch Verengung ihrer Erbanlagen Teile ihrer natürlichen Fähigkeiten verloren, achten solche Nester nicht mehr, sie zertreten sie. Ganz anders verhalten sich unsere Landschafe.

Auch die kleinsten einheimischen Hühnervögel, Rebhuhn und Wachtel, sind mit ihren Bodennestern wie die Lerchen auf entsprechende Rücksicht angewiesen. Hierzu gehört die Ernährungsmöglichkeit ihrer winzigen Küken zunächst durch die Larven von Rasenameisen und allmählich auch bestimmte heranreifende Grassamen. Die Rasenameisen können trotz ihrer tiefen Bauten aber nur dort leben, wo ihnen Rücksichten der feinfühligen Landschafe ihre Atmungshügel erhalten.

Eine pflegende Abhängigkeit besteht gleichzeitig zwischen einigen Arten von Segelfaltern sowie Bläulingen und den Rasenameisen. Die Puppenentwicklung solcher Schmetterlinge ist auf zeitweilige Pflege der emsigen kleinen Krabbler angewiesen. Ein Naturschutzgebiet der Voreifel entwickelte so nach Beweidung durch eine Skuddenherde wieder fast erloschene Bestände der schönen Schwalbenschwänze. Die sind immerhin die größten Segelfalter Deutschlands. Auch Eidechsen, Blindschleichen und andere Arten stellten sich wieder ein.

Auf grob beweideten Flächen oder Hängen durch Rinder oder Pferde oder gar durch schnelle und teuere Kreiselmäher erlöschen solche Lebensvielfalt-Formen.

Oder, der Graureiher nutzt die wachsame Herdenfunktion solcher Landschafe beim Mäusefangen zugunsten der eigenen Jungen. Die volle Erbausstattung unserer Skudden und Rauhwolligen Pommerschen Landschafe mit ihrem individuellen Wachsein für die Gruppe spart dem Reiher Energie und gewährt allen Beteiligten Schutz. Bei geduldiger Beobachtung ist die Verständigung zwischen beiden Arten unschwer wahrzunehmen. Anders als anderen vom Menschen einseitig veränderten Herdentieren genügt ein einzelner zischender Pfiff einer Skudde als Warnung für alle Artgenossen, aber auch für den Reiher.

Diese Landschafe haben nicht nur ein Gesicht, jedes Trittsiegel ihrer Spur verheißt zugleich aktive Lebenshilfe für eine immer mehr bedrohte Natur.

Die Lebensvoraussetzung dieser Tiere und erst recht unsere Wahrnehmung ihrer Verhaltensweisen ist schließlich Harmonie. Ihre Sinne sind unvergleichlich wie auch ihr Gedächnis aktiv. Wen sie als Hirten erfahren haben, dem begegnen sie zeitlebens entsprechend: welch ein Gewinn, die Weitsicht der Schöpfung immer wieder neu erkennen zu dürfen.                            KvR.

Der Bezug zueinander

Gemeint ist hier beides, das stille und gute Interesse etlicher Menschen an diesen alten Landschafrassen sowie andererseits der wache Zusammenhalt der Tiere untereinander in der Herde. Aus letzterem meine ich erst ergibt sich wohl unsere Neigung bis Faszination. Wenn verschiedene Schafrassen auf gleicher Weide zusammenkommen, bleiben die Skudden wie die Pommern deutlich für sich. Sie behielten in vielem das jeweils ganz eigenständige Rasseverhalten. Schon dem nur flüchtigen Betrachter der Tiere fällt leicht ihre deutliche Wahrnehmung fremder Menschen und ihr wacher Blick auf. Am vertrautesten sind sie immer mit möglichst einem ihrer bekannten Betreuer. Dem wird nichts übel genommen. An der Stimme, am Schritt, auch am Pfiff und an seiner Witterung, selbst an seiner verborgenen Erscheinung im auch fremden Auto spüren sie seine Nähe und merken freundlich auf. Sie suchen seine Nähe als gelittener Teil der Herde.

Ich erlebte nach langer Wanderung meiner von mir geführten Skuddenherde, zu der ein Freund gekommen war und uns begleitet hatte, wie meine Muckis vor einer fremden Dauerläuferin erschraken. Sie bestand darauf, den Tieren auf einem Waldweg nicht auszuweichen, sondern von hinten kommend auf dem engen Weg zwischen ihnen hindurch zu müssen. Mein Züchterfreund ging ein Stück hinter der Herde und bat die Läuferin, uns doch auf einem kleinen Umweg durch den offenen Waldbestand zu schonen - ohne Erfolg. Also stürmten die Tiere verschreckt auseinander und voraus. Empörung und Sorge unseres Begleiters verflogen schnell, als er sah, wie bald das Leitschaf mit ihren nächsten Verwandten mit Suchlauten fragend zurückkehrte, um mich zu finden. Ganz bald war die Herde dann wieder beisammen.

Zum Führen der Schafe ist hier - im Gegensatz zum Treiben - zu sagen: sie brauchen lange Zeit, entsprechendes Vertrauen aufzubauen. Man erleichtert es, indem der oder die gleiche Person zu ihnen spricht und ihnen auf der Weide ein paar frische Kartoffel- oder Obstschalen, auch Brotstückchen erst in der hintersten Weideecke hinstreut. So übt man mit ihnen das Führen wochenlang. Alte Landschafrassen sind wacher als eingekreuzte. Sie merken recht gründlich, wer es wie mit ihnen meint. Geduldiger Umgang ohne Hast, auch mit vielen Wiederholungen, fördert den Kontakt. Dennoch behalten sie den ihnen eigenen Sicherheitsabstand zum Menschen. In etwa wird dabei das ganz rassebedingte Verhalten der Herde auch auf den Betreuer angewandt.

Ihr deutlich ursprünglicher Raum- und Laufbedarf fällt ebenso auf wie ihr Angewiesensein auf mehr Rohfaser. Gras und frisches Wasser, auch mal Lecksalz - kupferarm für Schafe - bedarf gern der Ergänzung durch Weichholzäste, die geschält werden. Laub, Stroh, auch gröberes Heu, Fichten- und Kiefernäste frisch im Winter. Auch Binsen, Ginster und Heidekraut helfen ihrer Gesundheit. Alle Pflanzennahrung wird in ihrem noch deutlicheren Verdauungsgang mit vier Mägen und Därmen von insgesamt 25mal Leibeslänge sehr gründlich aufgeschlossen. Sie brauchen kein Kraftfutter, weil sie eiweisshaltige Nahrungsbestandteile selbst erzeugen: ihre Ernährungshelfer, nämlich die Symbionten, die sich ständig neu vermehren, werden laufend im Enddarmbereich verdaut. Zum Verständnis ist wichtig zu wissen: alle Wiederkäuer, besonders aber diese alten Landschafrassen leben entscheidend in engem Bezug zu etlichen Symbionten, also Kleinorganismen - nicht zu verwechseln mit Parasiten - die in ihrem Verdauungssystem den Speisebrei des Schafes aufschliessen. Die Vielfalt sowohl der Nahrung als auch dieser Helfer ist typisch spezialisiert. Zugleich hängt ihr Wohlbefinden und ihre Abwehrkraft deutlich von ihnen artentsprechender Nahrung ab. Genügend Rohfaser ist immer wichtig. Jede Änderung der Weide wie etwa des Zufutters muss deshalb allmählich erfolgen, da nur so die bestimmte Art dieser Kleinlebewesen im Darm des Schafes sich entsprechend darauf einstellen, nämlich anpassend vermehren kann und muss. Das Tier selbst vermeidet in freier Wildbahn jede abrupte Nahrungsänderung, sein Raumbedarf steht in deutlichem Bezug dazu. Diese ursprünglichen Rassen beanspruchen etwas Verständnis ihrer noch natürlichen Schöpfungsgegebenheiten. Immerhin sichert solche bewusste Beobachtung und Erfahrung zusätzlich zum Wohlergehen der Tiere menschlichen Bezug zur Schöpfung in gebotener Verantwortung.                                                      KvR

Die Meise half

Wer mit Schafen etlicher Rassen zu tun hat, erkennt bald die erheblichen Unterschiede der Vliese. Die ursprünglichen Landschafe unserer Breiten haben eine besonders angepaßte Struktur ihres Wärmeschutzes. Kurzhaare, darüber sehr feine Wollfasern in großer Dichte und noch darüber Langhaare zur Abwehr von Regen und Schnee, befähigen sie zu ganzjähriger Weide. Solche Vliese ermöglichen nämlich erhöhte Regulierung der inneren Luftzwischenräume, sparen damit Energie und unterstützen rassetypische Vitalität. Besondere Beispiele sind die Ostpreußischen Skudden . Sie gehört zu den ältesten nachweisbaren Schafrassen des nördlichen Kontinents. Nur wenige Tiere dieser Arten konnten bei der Vertreibung der Bevölkerung nach Kriegsende gerettet werden. Alle zurückgebliebenen Tiere wurden leider vernichtet. Der besondere Zuchtverband für diese Rasse erhielt und vermehrt sie erfolgreich bundesweit wieder.

Generationenlang bemühte man sich, die Vielfalt der Wollen durch Abmessen der Fasern und Haaranteile im Querschnitt zu unterscheiden. Das blieb unbefriedigend, weil schon die genannten Bestandteile der Vliese erheblich variieren und Kräuselung und Stärke jeder Faser wechseln. Maschinelle Verarbeitung der Wollen ergab den Anreiz zu möglichst haarfreien Wollen. Eigentlich täuschend erfand man dafür den Begriff der Feinwollstoffe. Merinowollfasern zum Beispiel, die als besonders weich gelten, sind nämlich bedeutend dicker als jene ihrer angepaßten Vettern.

Die erfahrensten Benutzer der Wolle dürften die Vögel seit jeher gewesen sein. Sie nutzen gekonnt nicht nur deren Wärmehaltung, sondern zugleich die Binde- und Haftfähigkeit. Kein Mensch könnte aus Zweigen, Blättern und Moos mit Vlieshaaren und Wollfasern als Fäden auch nur ein einziges Nest eines Zaunkönigs oder einer Blaumeise, erst recht nicht die hängenden Nester etwa eines Pirols oder einer Schwanzmeise tauglich zustande bringen. Erstaunlich haltbar und ganz leicht sind solche Kinderstuben, die Astbewegungen und Sturm ebenso trotzen wie den zunehmend ungestümen Bewegungen der Jungvögel. Die dort beobachtete elastische Haftfähigkeit der feinen Bindefasern beruht wesentlich auf deren wolltypischen winzigen Außenschuppen und damit der Filzfähigkeit. Wache Beobachtungen am Nest einer Blaumeise in Gießen und andere bewiesen nicht nur die vorstehenden Einzelheiten, sie regten auch Beobachtungen zur Lichtreflexion an. Nach vielen mühevollen Probenuntersuchungen und Versuchen erkannte man die einfache und zuverlässige Unterscheidungsmöglichkeit der Vliesfasern anstelle bisheriger unsicherer Messungen.  KvR.

In Mutters Windschatten
sind unsere Lämmer immer geborgen. Im Februar und März werden die meisten Lämmer geboren, insbesondere der Nachwuchs der Ostpreußischen Skudden ist durch die Fürsorge der Mutter kaum kälteempfindlich. Nasses Wetter ist ihnen weniger angenehm und ganz schlimm ist es, wenn man als Lamm etwa die Mutter auch nur ein paar Schritt weit aus der Nähe verliert. Zwei entscheidende Voraussetzungen für die in der Regel ganz problemlose Geburt dieser robusten Landschafrasse im Freien sichern den Start auf den eigenen vier Beinen. Die Lämmer haben einen viel schnelleren Puls als ihre Eltern und die ihnen zukommende Fürsorge in der Herde ist jedes Jahr aufs Neue geradezu rührend. So ein neugeborenes Lamm wiegt zunächst kaum 2 Kilogramm, gar nicht selten gibt es Zwillinge, Für die Zugehörigkeit, also Erkennung, und den lebensnotwendigen Kontakt der Mütter zu ihren Lämmern und umgekehrt ist der individuelle Geruch entscheidend und zusätzlich die Stimme. Die Geborgenheit in Mutters Windschatten wird ganz selbstverständlich und praktisch beansprucht und genutzt. Noch wärmer und heimeliger fühlen sich die Lämmer in den ersten Lebenswochen zwischen der Wollen an den mütterlichen Flanken während der Nacht oder bei Regen und Sturm. Alle Schafe sitzen gern auf ihren eingeknickten Beinen, so können kleine Lämmer selbst bei Schnee und Frostgraden warm und sicher unter der Mutter unterkommen. Ihre Nahrung aus dem Euter der Mutter wird gerade zu Anfang liebevoll angeboten und sie ist unersetzbar für den eigentlichen Lebensstart. Vermittelt sie doch ganz individuell alle entscheidenden Abwehrstoffe und –kräfte, daher saugen die Lämmer auch sehr oft. Es sind jeweils nur kleine Milchmahlzeiten , doch etliche Mal in der Stunde . Sie bewirken zusammen mit der Nähe und Fürsorge, dem mütterlichen Geruch und dem Stimmkontakt das immer wieder erstaunliche Aufblühen der Neugeborenen während der ersten Lebenstage. Schon am zweiten Tag wagt man übermütige Lämmersprünge und tollt bald mit den Geschwistern . Vorsorglich hält sich die Lammmutter in den ersten Tagen mit ihrem Nachwuchs etwas abseits von der Herde, die diese Haltung auch respektiert.                  Kv.R.

 

[index] [Home2] [Skuddenhof] [Skudde] [Angebot] [Zuchtverband] [Wollkontor] [Presse] [Aktuelles] [Links] [Impressum]

© Copyright 2013 by skudde.de  Design all rights reserved