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19/03/13 

Der Lebensraum

Die Skudde stellt die älteste Schafrasse des deutschsprachigen Raumes dar:

Ostpreußischen Skudden. Sie wurden nämlich – trotz der Vertreibung der Menschen aus ihrer Heimat in Ostpreußen und Pommern – gerettet. Seit mindestens 4.000 Jahren sind sie als Anpassungsform nachweisbar und waren im gesamten damaligen “germanischen” Raum von den Faröer-Inseln über die ostbritischen Landschaften, die Niederlande, den gesamten norddeutschen Raum, das heutige Polen und das Baltikum verbreitet.

Im Wikingermuseum Haitabu bei Schleswig sind Felle als Grabbeilagen ausgestellt, die zunächst in den 80er Jahren noch als Hirschhaar angenommen wurden, nun aber nachweislich als die Unterhaare der Skudde, die ein aus drei Haararten bestehendes Fell haben erkannt werden konnte.

Mehr dazu unter “History”.

 

Widerstandsfähig und anspruchsbescheiden

Skudden sind mit 30 - 40 kg für ein Mutterschaf, 35 – 50 kg für einen Bock und bis 60 cm Widerristhöhe, die kleinsten deutschen Landschafe, ihr Futterbedarf dem entsprechend unterhalb der Fütterungsnormen für Landschafe, der Futterbedarf der Pommern ist dem anderer Landschafrassen vergleichbar. Bei aller Genügsamkeit ist diese Rasse kein Abfallverwerter oder Hungerkünstler. Skudden brauchen keinen Stall, sie können in kleinen Gruppen Sommer wie Winter im Freien gehalten werden, wenn sie einen trocknen, windgeschützten Unterstand haben. Sie sind robust und – artgemäß gehalten – sehr widerstandsfähig gegen Parasiten und Krankheiten. Unerläßliche Voraussetzung ist ihr gedeckter Rohfaserbedarf, sind im Winter den Tieren gereichte gerne armdicke Äste von Laub- und Nadelhölzern.

Ostpreußische Skudden überzeugen auch mit einer gegenüber Leistungsschafrassen hohen Lebenserwartung. Bekannt ist eine Skuddenmutter, die 19 Jahre alt, bis zu ihrem 16. Lebensjahr ohne Probleme ihre Lämmer zur Welt brachte, anschließend nicht mehr gedeckt wurde. Das Tier hat noch ein volles Gebiß. Ein Alter von 25 Jahren sollen Skudden erreicht haben.

Wildtierähnlich ist Skudden noch eine große genetische Bandbreite gegeben, die viele andere landwirtschaftliche Leistungsrassen längst verloren haben.

 

Ideale Landschaftspfeger

Skudden sind zur Landschaftspflege bestens geeignet.
Wissenschaftliche Arbeiten des Zentrums für Agrarlandschafts- und Landschaftsnutzungsforschung (ZALF) in Brandenburg unterstreichen die Bedeutung der Skudden für die Landschaftspflege. Zusammenfassend liegt der ökologische Vorteil in dem vergleichsweise hohen Futteraufnahmevermögen, der guten Verbißstruktur auch auf Standweiden, der nicht einseitigen Bevorzugung von Gräsern gleichen Vegetationszustandes, der hohen Laufdichte und der guten Flächennutzung. Skudden zeigen eine sehr hohe Umweltstabilität, das heißt sie sind vergleichsweise unabhängig von Umweltveränderungen wie Wind und Sonne.

Zum Führen der Schafe ist hier - im Gegensatz zum Treiben - zu sagen: sie brauchen lange Zeit, entsprechendes Vertrauen aufzubauen. Man erleichtert es, indem der oder die gleiche Person zu ihnen spricht und ihnen auf der Weide ein paar frische Kartoffel- oder Obstschalen, auch Brotstückchen erst in der hintersten Weideecke hinstreut. So übt man mit ihnen das Führen wochenlang. Alte Landschafrassen sind wacher als eingekreuzte. Sie merken recht gründlich, wer es wie mit ihnen meint. Geduldiger Umgang ohne Hast, auch mit vielen Wiederholungen, fördert den Kontakt. Dennoch behalten sie den ihnen eigenen Sicherheitsabstand zum Menschen. In etwa wird dabei das ganz rassebedingte Verhalten der Herde auch auf den Betreuer angewandt.

Ihr deutlich ursprünglicher Raum- und Laufbedarf fällt ebenso auf wie ihr Angewiesensein auf mehr Rohfaser. Gras und frisches Wasser, auch mal Lecksalz - kupferarm für Schafe - bedarf gern der Ergänzung durch Weichholzäste, die geschält werden. Laub, Stroh, auch gröberes Heu, Fichten- und Kiefernäste frisch im Winter. Auch Binsen, Ginster und Heidekraut helfen ihrer Gesundheit. Alle Pflanzennahrung wird in ihrem noch deutlicheren Verdauungsgang mit vier Mägen und Därmen von insgesamt 25mal Leibeslänge sehr gründlich aufgeschlossen. Sie brauchen kein Kraftfutter, weil sie eiweisshaltige Nahrungsbestandteile selbst erzeugen: ihre Ernährungshelfer, nämlich die Symbionten, die sich ständig neu vermehren, werden laufend im Enddarmbereich verdaut. Zum Verständnis ist wichtig zu wissen: alle Wiederkäuer, besonders aber diese alten Landschafrassen leben entscheidend in engem Bezug zu etlichen Symbionten, also Kleinorganismen - nicht zu verwechseln mit Parasiten - die in ihrem Verdauungssystem den Speisebrei des Schafes aufschliessen. Die Vielfalt sowohl der Nahrung als auch dieser Helfer ist typisch spezialisiert. Zugleich hängt ihr Wohlbefinden und ihre Abwehrkraft deutlich von ihnen artentsprechender Nahrung ab. Genügend Rohfaser ist immer wichtig. Jede Änderung der Weide wie etwa des Zufutters muss deshalb allmählich erfolgen, da nur so die bestimmte Art dieser Kleinlebewesen im Darm des Schafes sich entsprechend darauf einstellen, nämlich anpassend vermehren kann und muss. Das Tier selbst vermeidet in freier Wildbahn jede abrupte Nahrungsänderung, sein Raumbedarf steht in deutlichem Bezug dazu. Diese ursprünglichen Rassen beanspruchen etwas Verständnis ihrer noch natürlichen Schöpfungsgegebenheiten. Immerhin sichert solche bewusste Beobachtung und Erfahrung zusätzlich zum Wohlergehen der Tiere menschlichen Bezug zur Schöpfung in gebotener Verantwortung.          

Die Weide

An die Weide stellen ansonsten die Skudden keine sehr großen Ansprüche. Wichtig für die Tiere ist Fläche und ausreichende Futtermenge, wobei auch das Rauhfutter eine sehr wichtige Rolle einnimmt. ganzjährig kann es bei feuchten und zu fetten Weiden erforderlich sein, der Skudde Heu oder Stroh zuzufüttern. Es gibt sicherlich professionelle Berechnungen über Futtermengen dieser Schafe und auch über die möglichen Besatzstärken bei der Koppelhaltung. Nach unserer Erfahrung, und wir gehen eher von sogenannten Magerweiden beim Hobbyhalter aus, kann man drei bis fünf Tiere pro Hektar ganzjährig halten. Hier spielt aber auch die Wachstumsfreude des Grüns eine wesentliche Rolle.

Nach langjähriger Erfahrung sollte man die Skudde in Gruppe ab fünf (5) Tiere halten, nicht weniger. Eher mehr. In einer Herde von 20 oder mehr Tieren fühlen sie sich erst richtig sicher. Vor einer Einzelhaltung oder Hobbyhaltung mit nur 2 oder 3 Tieren ist grundsätzlich abzuraten, denn diese Tiere werden schnell verhaltensgestört und überängstlich.

Grundsätzlich braucht die ostpreussische Skudde keinen Stall, die Rasse kann ganzjährig im Freien gehalten werden. Aber auch hier zeigte unsere Erfahrung, dass die Tiere einen Unterstand oder Offenstall bei norddeutschem “Schietwetter” sehr gern annehmen und auch die Nachzucht dadurch verbessert wird.

Die Tiere sind “asaisonal”, d. h. wenn ein Bock in der Herde ist, sind Nachkommen das ganze Jahr über möglich. Bei sehr kleinem Bestand schadet das auch nicht. Die Zibben können durchaus schon 3-4 Wochen nach einer Ablammung wieder belegt werden, was für Überraschungen sorgen kann. Für die Tiergesundheit und Vitalität ist es aber besser, wenn die Belegungen nur einmal im Jahr stattfinden. Wir lassen im Herbst den Zuchtbock in die Zibbenherde, worauf wir nach ca. 5 Monaten (wir mögen Lämmer gern zu Ostern) die Lammungen haben. Schon kurz nach der Ablammung nehmen wir den Zuchtbock wieder aus der Herde, stellen ihn zurück in die Bockherde, in die auch nach 3-4 Monaten die männlichen Absetzer überstellt werden. Junge weibliche Skudden können biologisch schon im fünften oder sechsten Monat belegt werden, obwohl sie körperlich erst nach 3-4 Jahren vollständig ausgewachsen sind. Aus diesem Grunde werden bei uns die weiblichen Tiere erst im darauffolgenden Herbst in die Zuchtgruppe übernommen, kommen also mit ca. 18 Monaten zum ersten Mal mit dem Zuchtbock (niemals ihr Bruder, Vater oder Großvater) zusammen. Diese Praxis hat sich nun schon bewährt. Ebenso werden Zibben, die sonst gut lammen, aber doch vorrübergehende Genesung bedürfen auch mal ein Jahr lang nicht zum Bock. Unsere älteste aktive Zuchtzibbe ist zur Zeit 9 Jahre alt.

Auf der Weide ist stets frisches und sauberes Wasser, Leckeimer, eine regengeschützt Heuraufe mit etwas Heuangebot und der Unterstand. Die Zäune sind nicht nur zum Einpferchen der Skudden, sondern auch zum Schutz der Skudden vor Hunden. Der größte Feind ist der Wolf, und eben auch seine Nachfahren die Haushunde. Ein Weidezaun mit 100cm Höhe ist ausreichend, wenn die Weide mindestens 50 x 50 m groß ist, und keine Gefahr besteht, dass wildernde Hunde übersetzen können. Bei kleineren Weide (schmale Seite) empfiehlt sich eine Zaunhöhe von 130cm. Auch bei regem Verkehr, vielen Spaziergängern (meist mit Hund) und an sehr abgelegenen Weiden empfiehlt sich ebenfalls der 130cm hohe Wildzaun (Knotengeflecht). Sind die Skudden mal ausgebrochen kann der Halter sie mit leckerem Futter (Getreide, wie Gerste oder Hafer, Schafspellets, usw.) einfach anlocken und wieder in die Weide führen. Skudden sind standorttreu und laufen somit nicht einfach weg. Die Herde sollte immer zusammen bleiben, auf bei Führungen und Wanderbeweidungen. Wenn einzelne Tiere durch den Zaun einmal getrennt sein sollten, muss man unbedingt die Herde ersteinmal zusammenführen, sei es auf der Weideseite, oder auch außerhalb. Trennung ist für eine Herde bei der Skudde immer das emotional schlimmste.

Der Lebensraum Mitteleuropa ist ansonsten problemlos, wenn auch die Skudde aus den nordischen Gebieten stammt. Wärme können sie in Extremsituationen gut vertragen, dürfen dann aber nicht mehr getrieben werden. Wenn es hier im Norden mal 40°C im Schatten gibt, und die Schafe nich nicht geschoren sind (z. B. Anfang Mai), belastet sie diese Hitze, sie brauchen Wasser und Ruhe. Frisch geschoren können sie einen Sonnenbrand bekommen, brauchen dann den Unterstand, Offenstall oder genügend Schatten durch Bäume. Aufgrund der Robustheit der Skudde wäre aber auch Haltung in Südosteuropa oder Südeuropa denkbar. Genausogut ertragen sie aber auch die kalten Regionen. Im Baltikum, Litauen z. B., vertragen die Skudden Frost bis -30C und lassen sich sogar vom Schnee über Nacht einwehen. Sie können auch im Winter im Schnee ihre Lämmer bekommen, wobei die Vitalität durchaus ausreicht, dass keine Lämmer sterben.

 

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